Begeisterte Teilnehmer und Tausende von Zuschauern bei 1. Regensburger Classic-Rallye

(gpp) – Sage und schreibe 75 teils höchst wertvolle und äußerst seltene Oldtimer-Fahrzeuge dominierten am sonntäglichen Tag der Deutschen Einheit die Straßen Regensburgs und seines nördlichen, oberpfälzischen Einzugsbereiches von Laaber über Kallmünz, Regenstauf, Haidhof, Altenthann und Donaustauf. Aus fast der gesamten Republik waren die Freunde des historischen Motorsports auf vier Rädern in die Domstadt gereist, um an der 1. Regensburger Classic-Rallye des AMC Deuerling teilzunehmen – und alle zeigten sich im Nachhinein begeistert und versprachen ein Wiederkommen im nächsten Jahr.

Und was für Pretiosen den zahlreichen Zuschauern entlang der 153 Kilometer langen Strecke geboten wurden: zum Beispiel ein Ford Modell A aus 1928 sowie ein Ford Modell A Tudor-Sedan von 1930, ein Auto-Union F 5 Sport aus 1936, ein Adler Trumpf Junior von 1937, ein Bentley R-Type aus 1953, ein Citroen 11 CV BN aus 1953 oder ein Auto Union Monza aus 1958. Dazu etliche sportliche Fahrzeuge, angeführt von zahlreichen und unterschiedlichen Modellen aus dem schwäbischen Zuffenhausen: ein Porsche Speedster aus 1956, zahlreiche 356`er (Roadster, Super 90 und Coupe-)-Modelle. Aber auch etliche Jaguar E-Type-Fahrzeuge, ein MG Midget, ein Austin-Healey MK II, etliche Alfa Romeo`s, ein Mercedes 190SL und, und, und waren mit von der Partie.

Den Auftakt der gesamten Rallye bildeten drei Vorausfahrzeuge, die schon bei der Einstimmung darauf, die gesamte Bandbreite der teilnehmen Fahrzeuge aufzeigten. Mit der Startnummer 000 fuhren Harald Koller und Carmen Strasser (Hemau) ein AUDI S 1-Rallyefahrzeug aus dem Jahr 1979, und mit der Startnummer 0 zeigte der 73-Jährige Münchner Ruprecht von Siemens der staunenden Bevölkerung, dass sich der große Siemens-Konzern in den zwanziger Jahren (1926) auch mit dem Automobilbau beschäftigte, wenngleich es der Siemens Protos mit seinen 2,6 Litern Hubraum und 45 PS (wie schon der Name sagt) ´nur` zu einem Prototypen-Dasein brachte. Dennoch ließ es sich der Senior nicht nehmen, die namensgleiche Seltenheit an diesem Tag selbst auszuführen und –zu fahren.

Mit der Startnummer 1 eröffnete danach kein geringerer als Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger auf einem vom BMW-Werk Regensburg zur Verfügung gestellten BMW 507 von 1957 die Veranstaltung und zog das Feld von Regensburgs Neupfarrplatz aus in den Wettbewerb hinter sich her. Die touristische Ausfahrt berührte dabei unter anderem das Felsental bei Laaber, führte entlang von Naab und Regen und später vorbei an den Füßen der Walhalla. Für den sportlichen Wert sorgten schließlich insgesamt sechs so genannte Gleichmäßigkeitsprüfungen (GP) , und zwar bei Nittenau, bei Sinzing, bei Laaber, bei Kallmünz, bei Haidhof und bei Hauzendorf. Dort waren auf sehr selektiven Streckenabschnitten genau vorgegebene Zeiten zu fahren. In der GP vier überraschten zudem Kinder in der Ortsdurchfahrt Mühlschlag die Teilnehmer mit einer „Mautstelle“, an der Sonnenblumen zur Verteilung kommen sollten. Leider stand nicht allen Besatzungen der Sinn nach dieser netten Geste und die Kinder blieben auf etlichen ihrer Sonnenblumen sitzen.

Die auf den Gleichmäßigkeitsprüfungen vorgegebenen Fahrzeiten waren jeweils auf die Hundertstel-Sekunde genau einzuhalten und die tatsächlichen Über- oder Unterschreitungen an den Ziel-Lichtschranken bildeten schließlich die Wertungs-Grundlage und damit die Entscheidung über die Sieger und Platzierten in den einzelnen Klassen. Den Teilnehmern wurde aber auch mit einer großzügigen Pause im MaxCenter in Regenstauf eine weitere, „gern genützte“ Gelegenheit gegeben, ausgiebig Fachgespräche zu führen und mit ihren Freunden und Kollegen „Benzin zu reden!“ Den Abschluss der „beeindruckenden Veranstaltung“ bildete eine Durchfahrtskontrolle bei Siemens-VDO in Regensburg, bevor ab 16.15 Uhr das Ziel am Neupfarrplatz wieder erreicht wurde. Dort wurden die Teilnehmer von einer überaus zahlreichen und begeisterten Bevölkerung genauso empfangen, wie sie beim vormittäglichen Start mit viel Applaus auf die Reise geschickt, und entlang der gesamten Strecke begleitet worden waren.

Trotz der doch anspruchsvollen Strecken, die aufgrund ihrer Topographie vor allem die Besitzer älterer und leistungsschwächerer Fahrzeuge an so manchen Steigungen forderte, erreichten fast alle Teilnehmer das Ziel (lediglich sieben Teilnehmer kamen nicht in Wertung an) und äußerten sich abschließend lobend über die gesamte Veranstaltung und versprachen unisono: „Wir kommen wieder!“

Bei der Siegerehrung im traditionsreichen und historisch bedeutsamen Haus Heuport (dessen ´Hausherr` seine illustren Gäste an „Wagenlenkern und Fuhrknechten“ in historischem Gewand begrüßte) am Regensburger Domplatz dankten Dr. Ulrich Seidel vom Rotary-Club Porta Praetoria Regensburg und der Honorarkonsul der Türkei Hanns J. Huber, dem ausrichtenden AMC Deuerling mit Max Schneider (Regensburg) und Gabi Fischer (Heilinghausen) an der Spitze für die „in langen Wochen und Monaten und in hervorragender Weise“ geleistete Vor- und Detailarbeit und freuten sich ganz besonders darüber, dass ihre jeweiligen Kultur- und Sozialfonds mit großzügigen Spenden aus dem Erlös der Veranstaltung unterstützt werden konnten. Max Schneider gab den Dank weiter an alle Helfer, „ohne deren vorbildlichen Einsatz eine solche Veranstaltung nie möglich wäre“ und auch an die Teilnehmer, „denn was wäre all´ unsere Arbeit, wenn keiner von Euch bei uns fahren würde“.

Den Sieg der ersten Regensburger Classic-Rallye holten sich Gerda und Helmut Fischer (Neuhaus) auf einem serienmäßigen VW Käfer 1302 mit 1,10 Strafpunkten vor Gerhard und Ralph Wilde (Ingolstadt) auf Audi 50 GLS mit 1,30 Strafpunkten. Dritte im Gesamtklassement wurden Peter und Christian Krieglsteiner (Regensburg) auf Mercedes 300 SL Roadster mit 1,80 Strafpunkten. Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger kam nach „gut dreißigjähriger Rallyeabstinenz“ mit Platz 21 „im vorderen Drittel“ des Klassements ins Ziel. Neben außergewöhnlichen Pokalen kamen auch etliche Sachpreise von verschiedenen Sponsoren zur Ausgabe und am Ende erhielten das Gesamtsieger-Ehepaar Fischer neben wertvollen Gesamtsieger-Pokalen von der Firma Matt auch einen Wanderpokal überreicht, „den wir im kommenden Jahr natürlich gern verteidigen!“

Gerd Plietsch

 

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