Classic Rallye Regensburg

(gpp) – Damit hatte wohl niemand wirklich gerechnet: die letztjährigen Sieger, das Egloffsteiner Vater und Sohn-Duo Hanns Werner und Moritz Wirth wiederholten bei der diesjährigen dritten Ausgabe der Classic-Rallye Regensburg ihren Vorjahressieg und das, obwohl – oder vielleicht gerade deshalb (?) weil – sie von ihrem kleinen Autobianchi A 112 auf einen großen, aber wesentlich älteren „allerdings auch schwerer zu fahrenden“ Alvis Speed 25 aus dem Jahr 1937 umgesattelt hatten. Wobei das fehlende Dach des offenen Wagens bei den hochsommerlichen Temperaturen mit Sicherheit die in Sachen Frischluftzuführung weitaus bessere Wahl war.

Insgesamt 72 Teams mit zum Teil überaus hochkarätigen, automobilen Pretiosen aus dem gesamten süddeutschen Raum wurden nach einem stärkenden Weißwurst-Frühstück im historischen Haus „Heuport“ von Streckensprecher Lothar Ammelounx (Regensburg) mit launigen aber durchaus auch sachkundigen Worten vom Regensburger Neupfarrplatz aus auf die gut 135 km lange Rundreise um die oberpfälzische Bezirkshaupt- und Domstadt geschickt. Begleitet von einer ´gnadenlos` strahlenden Sonne waren in diesem Jahr die Besitzer und Fahrer von Autos mit einem festen Dach eindeutig im Nachteil, denen zumindest der kühlende Fahrtwind fehlte. Die landschaftlich schöne und abwechslungsreiche Strecke führte von Regensburg über Donaustauf nach Bernhardwald und bis zum nördlichsten Punkt am Fuße des Hohensteins bei Hirschling. Danach passierten die Teilnehmer Regenstauf, Lappersdorf und Pettendorf, bevor beim Prösslbräu am Adlersberg die 45-minütige Mittagspause eingelegt wurde. Der Rest der Strecke des überaus heißen Nachmittags brachte zunächst etwas Kühlung, als diese an der Naab entlang führte. Danach ging es über die A 3 bis zum westlichen Wendepunkt in Laaber und über Nittendorf und Sinzig wieder zurück nach Regensburg. Abschließendes Highlight war bei Prüfening die Fährüberfahrt über die Donau (wobei für ´Wasserscheue` eine ´trockene` Ersatzstrecke ausgewiesen war), bevor noch 69 Teilnehmer das Ziel – wieder auf dem Regensburger Neupfarrplatz – in Wertung erreichten. Drei der Oldtimer mussten bereits vorher mit technischen Defekten abgestellt werden, darunter auch der bildschöne Mercedes 170 A aus dem Jahr 1939 des Münchner Ehepaares Zielinski.

Italienisches Mille-Miglia-Flair kam nicht nur gleich beim Start auf, wo zahllose Zuschauer ein menschliches Spalier für die Teilnehmer bildeten, sondern vor allem bei der gleich im unmittelbaren Anschluss daran anstehenden Rundkurs-Prüfung durch die historische Regensburger Altstadt. Die knapp einen Kilometer lange Strecke führte rund um den Regensburger Dom und die abschließende Zeitmessung fand vor den gut gefüllten Straßencafés rund um den Domplatz statt, wo die Oldtimer-Fans bei Cappucino, Aqua Minerale und Latte Macchiato die Aktionen der Aktiven interessiert verfolgten.

Ein weiterer Rundkurs mit zwei Zeitmessungen war auf dem Systemprüfkurs der Firma SIEMENS zu absolvieren, die nächste Prüfung stand dann zwischen Kürn und Birkenzant auf dem Programm, bevor entlang des Regens die äußerst schnelle Prüfung von Hirschling nach Ramspau gefahren werden musste. Nach der Mittagspause war die Bergprüfung „Laaber“ vom Stegenhof nach Großetzenberg zu bewältigen und den Abschluss bildete die Prüfung „Nittendorf“. Die Zielankunft zwischen 16 und 17 Uhr geriet dann erneut vor Tausenden von interessierten Zuschauern zum automobilen Schaulaufen, denn das Publikum säumte längst nicht mehr nur die Straßencafés sondern mittlerweile auch die Straßenränder und säumten beklatschte begeistert die zurückkehrenden Fahrerinnen und Fahrer.

Bei der abschließenden Siegerehrung im Festsaal des historischen Hauses „Heuport“ bedankte sich der Vorsitzende des veranstaltenden AMC Deuerling, Max Schneider (Deuerling) für die von allen Seiten gewährte Unterstützung, vor allem aber bei allen Helfern aus seinem und anderen Vereinen und der Fahrtleiterin Gabi Fischer (Heilinghausen). Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger, der es sich erneut nicht hatte nehmen lassen, einen BMW M 3-Vorauswagen zu pilotieren, lobte Organisation und Ausführung und freute sich schon auf die vierte Ausgabe der Regensburger Classic-Rallye im Jahr 2007. Dieter Kuhn vom Rotary Club Porta Praetoria dankte für die durch die Veranstaltung generierten Spenden und Hanns Huber, Honorarkonsul der R. T., der sich diesem Dank anschloss, verteilte abschließend zahlreiche Blumensträuße an verdiente Organisatorinnen „und solche, die durch erfolgreiches Rückenfreihalten ihren Männern gleiches ermöglichen!“

Gerd Plietsch

ERGEBNISSE (Gesamtwertung): 1. (Sieger Klasse D) Hanns Werner und Moritz Wirth (Egloffstein) Alvis Speed 25 (1937) 1,3 Strafpunkte; 2. (Sieger Klasse Y) Peter und Irene Förster (Oberschleißheim) MG B GT V8 (1974) 1,64; 3. (Sieger Klasse E) Joachim Schmid/Marion Aulfes-Schmid (Furth im Wald) Porsche 356 Roadster (1960) 2,05; 4. (Sieger Klasse G) Prof. Dr. Anton Kathrein/Alexander Hagenbuchner (Rosenheim/München( Lancia Fulvia HF 1,6 (1969) 2,99; 5. Toni Silberhorn/Ute Kubainski (Regensburg/Rottenburg) Porsche 911 Carrera (1976) 3,17; 6. Christl und Andreas Schierl (Rosenheim) Fiat 500 F (1971) 3,30; 7. Stefan und Astrid Brandl (Regensburg) Chevrolet Corvette (1968) 3,33; 8. Walter und Albine Wilde (Ingolstadt) Auto Union Monza (1958) 3,44; 9. Josef Späth/Martina Wankerl (Zandt/Waldersbach) Ford Modell A (1928) 3, 51; 10. (Sieger Klasse F) Werner Labrenz/Hans-Jürgen Horeth (Regensburg/Thalmässing) Porsche 356 Cabrio (1965) 3,61.

Sonderpreise wurden vergeben an: Günther Vavrin/Hannelore Steinmüller (Trostberg) BMW 2002 turbo (bestes BMW-Team); Georg Freudensteiner/Achim Krogner (Mainburg/Furth im Wald) BMW 507 (ältester BMW) und Antonio und Immacolate Barone (Lauf) Alfa Romeo GTJ Junior (Pechvogelpreis). Beste Damen waren Ingeborg Dechantsreiter und Elke Limmer (Regensburg) auf Mercedes Benz 280 SL, der Mannschaftssieg ging an das Kathrein-Klassik-Team mit Prof. Dr. Anton Kathrein an der Spitze.

S p l i t t e r

Ø      Erstmals wurde in diesem Jahr die Zeitmessung und Auswertung der Classic-Rallye Regensburg bis auf die Hundertstel-Sekunde ausgedehnt – und dennoch gelang es zwei Teams völlig strafpunktfrei – also genau in der richtigen Hundertstel-Sekunden – die Ziellichtschranke zu passieren.

Ø      Der ebenfalls erstmals eingeführte Baujahrfaktor (die Strafpunkte eines jeden Teams werden mit einem Faktor des Baujahres multipliziert, wobei die älteren Fahrzeuge einen geringeren, und die jüngeren einen höheren Faktor haben) begünstigte die Wiederholung des Vorjahressieges von Vater und Sohn Wirth; ohne diesen hätte das Oberschleißheimer Ehepaar Forstner mit einem Youngtimer-MG gewonnen. Ansonsten blieben die Platzierungen der ersten zehn des Gesamtklassements unverändert.

Ø      Für ein ebenfalls typisch italienisches Flair sorgten bereits am Samstag Abnahme und Fahrervorstellung im Marina Beach-Club

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