Das Interview vor der Ennstal-Classic von Helmut Zwickl

Sir Stirling Moss: Ich fuhr ständig einen Tick langsamer, als ich fahren hätte können.»

Der 77jähriger Brite gilt als der berühmteste und am meisten gefragte Botschafter des Autorennsports. Er ist der beste Fahrer der Welt, der nie Weltmeister wurde, und sich viermal mit dem Vize-WM Titel begnügen musste: 1955 und 1956 stand ihm Fangio im Weg. 1957 die Unreife seines Vanwalls. 1958 verlor er den Titel um einen Punkt an Mike Hawthorn.

Stirling fuhr alles: von Cooper-JAP, H.W.M., Jaguar, Austin Healey, E.R.A., über Cooper-Alta, Maserati, Mercedes, Porsche, Cooper-Climax, Vanwall, Aston Martin, bis Ferrari und Lotus. Zwischen 1948 und 1962 fuhr er 466 Rennen, 194 Mal gewann er.

Helmut Zwickl führte mit Sir Stirling dieses Gespräch über Schumachers Park-Manöver in Monaco, die faulen Tricks von Jack Brabham, den Crash, der seine Karriere beendete und die Ennstal-Classic. 

Hättest du dir folgendes vorstellen können: du parkst dein Formel 1 Auto, so wie Schumacher, in einer Haarnadelkurve von Monaco, damit Fangio keine schnellere Runde mehr fahren kann?

Moss: «Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass jemand durch eine Betrügerei gewinnen will. Das wäre so, als würde man einen 3000 Meter Lauf gegen eine Konkurrenz gewinnen, die aus Krüppeln besteht.»

Wie war das zu deiner Zeit, gab es faule Tricks?

Moss: «Bisweilen passierte es, dass jemand einen aufgebohrten Motor verwendete. Selbst einen illegalen Sprit hätte man sofort gerochen. Was die Fahrer gerne taten war, dass man sich gegenseitig von der Linie weggeschubst hat. Mit Jack Brabham  zum Beispiel, den ich kürzlich ihn Wien getroffen habe, hatte ich die härtesten Gefechte überhaupt. Er hat gerne Steine aufgewirbelt und wenn er mir die Straße wegnahm, versuchte ich auf der anderen Seite anzugreifen. Einmal fuhren wir in Neuseeland gegeneinander und bei mir brach die Halbachse. Obwohl ich sein härtester Konkurrent war, offerierte er mir die Halbachse seines Ersatzautos. Ich nahm dankend an und holte mir den Sieg, Jack wurde Zweiter. Das war damals so. Jack hat immer alles versucht mich auf der Piste zu schlagen, aber er hätte nie gewinnen wollen, wenn ich Zuschauen hätte müssen.»

Deine schweren Unfälle waren alle auf technische Gebrechen zurückzuführen. Kannst du dich jemals erinnern, einen Fahrfehler gemacht zu haben?

Moss: «Eigentlich nicht. Oh doch, einmal flog ich am Nürburgring raus, weil ich einen Gang nicht reinbrachte, das war mit einem Vanwall. Mein größter Fehler war, dass ich nicht genug über Motoren wusste. Ich versuchte immer meine Motoren zu schonen. Anstatt 7000 Touren zu drehen, schaltete ich bereits bei 6.800, was jedoch ein Fehler war, denn dadurch wurde das Getriebe noch stärker belastet. Das habe ich damals nicht gewusst.»

Wie hast du es geschafft eine Epoche zu überleben, in der viele Fahrer ums Leben kamen?

Moss: «Meine Strategie hieß vollste Konzentration. Ich hatte ein riesiges Selbstvertrauen und ich zwang mich dort unter dem Limit zu bleiben, wo eine tödliche Gefahr lauerte. Ich fuhr ständig einen Tick langsamer, als ich fahren hätte können, dieser Sicherheitspolster war mein Überlebenspaket.»

1962 hattest du in Goodwood jenen letzten Crash, der deine Karriere beendete. Hast du jemals rausgekriegt, was da wirklich passiert ist?

Moss: «Nein, man hat das Wrack untersucht und in dem Metallhaufen nichts mehr gefunden. Ich hatte damals Getriebe-Probleme, aber ich weiß bis heute nicht, weshalb ich gegen den Erdwall prallte. Aber ein Lotus war damals ein filigranes Ding, wahrscheinlich ist was gebrochen.»

Als du deine schweren Verletzungen ausgeheilt hattest, bist du nach Goodwood gegangen, um dich in einem Formel 1 Wagen zu testen…

Moss: «Wahrscheinlich habe ich diesen Test zu früh angesetzt. Das weiß ich heute, aber damals stand ich unter großem Druck von der Presse, die ganze Racing-Welt wollte wissen, ob ich ein Comeback schaffe. Und ich wollte es auch wissen. Und dabei musste ich mir eingestehen, dass ich handwerklich zwar alles so gut wie früher konnte, aber ich hatte meine Konzentration verloren, ich konnte mich nur ein paar Runden lang voll konzentrieren. Und gerade die Konzentrationsfähigkeit war das Geheimnis meiner Erfolge. Ich hätte mit dem Test noch warten sollen, aber der Rennsport befand sich damals im Umbruch. Fahrer wie Jim Clark fuhren mit Slick-Reifen, die ich nie probiert hatte. Die Autos hatten sich total verändert. Ob ich damit zurecht gekommen wäre, wage ich nicht zu sagen. Aber rückblickend weis ich, dass ich noch ein Jahr warten hätte sollen.»

Glaubst du, dass die heutigen Fahrer überbezahlt sind, wo doch die Gefahren drastisch reduziert wurden?

Moss: «Das möchte ich so nicht sagen. Die Fahrer werden auf Grund eines Marktwerts bezahlt. Wenn man mich aber fragt, ob diese Summen für das, was sie tun, unrealistisch sind, so sage ich ja.»

Die 14. Ennstal-Classic kommt auf uns zu, Du und Susie wart zehnmal am Start…

Moss: «Wir lieben die Ennstal, jedes Jahr haben wir unvergessliche Tage voller Spannung, mit wunderbaren Leuten in einer tollen Gegend. Obwohl wir jedes Jahr schlechter abschneiden, freuen wir uns schon jetzt. Die Ennstal hat in unserem Kalender einen speziellen Platz.»

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