Helmut Zwickl sprach mit Paul-Ernst Strähle in Gröbming.

In Deinem berühmten Porsche Carrera V2 fährt heuer der frühere Sauber-Renningenieur Walter Näher, warum fährst Du nicht selber?

Strähle: «Ich trau mir das im Moment nicht zu, weil ich durch eine Augengeschichte nicht so gut sehen kann, wie ich es gewohnt war.»

Wie alt bist Du jetzt? Strähle: «Ich werde im September 79»

Erzähle uns von der Mille Miglia…

Strähle: «Ich bin die richtige Mille Miglia, also das 1000 Meilen Rennen durch Italien, insgesamt viermal gefahren. Ich habe bei meinem ersten Start, 1954, mit einem VW-Käfer in dem ein Porsche-Motor drinnen war, sofort einen Klassensieg geholt, in der Sportwagen-Kategorie bis 1500 war ich hinter Hans Herrmann, der damals den ersten Porsche-Spyder fuhr und Giullio Cabianca Dritter. 1955, als Stirling Moss Gesamtsieger wurde, sind wir schon am Weg vom Hotel zum Start mit Getriebeschaden im Porsche 1300 Super ausgefallen. 1956 war ich mit Sepp Greger unterwegs, aber da waren die Alfa Veloce schneller. 1957 wurde ich mit dem Porsche Carrera, der jetzt bei der Ennstal-Classic läuft, zusammen mit Herbert Linge Vierzehnter im Gesamtklassement und GT-1600 Sieger.» Das war ja die tragische Mille Miglia, wo der Ferrari von de Portago/Nelson durch einen Reifenplatzer in die Zuschauer flog…

Strähle: «Als wir durchs Ziel fuhren, war der de Portago-Ferrari noch nicht da. Wir haben das Auto im Parc ferme abgestellt, dann sahen wir den Taruffi und Trips, die beiden Ersten, durchs Ziel fahren. Zusammen mit Wolfgang Trips gingen wir in die Kabine von Rainer Günzler, der war Sportreporter bei Radio Stuttgart, um ein Interview zu machen. Wir sagten, dass wir uns alle sehr freuen, weil heuer kein großes Unglück passiert ist. Dann fuhren wir ins Quartier und haben dort über Radio Ost-Berlin von dem riesigen Unglück erfahren. Bei der Mille Miglia gab es jedes Jahr viele Tote, und es wurde in Italien viel darüber gestritten, ob die Mille Miglia verboten werden sollte, oder nicht. Die einen sagten, wenn das Rennen nicht stattfindet, gibt es an diesem Wochenende noch mehr Tote auf den Straßen. Aber dieser de Portago Unfall bedeutete letztlich das Ende der alten Mille Miglia.» Du hast 1959 Lüttich-Rom-Lüttich auf Deinem V2 Carrera gewonnen, das war damals die härteste Zerreißprobe die es im Autosport gab…

Strähle: «Man ist etwa 96 Stunden Non-Stop gefahren. Start und Ziel war in Spa, die Länge betrug ca. 5.600 Kilometer. In Jugoslawien hatten wir 2000 km Schotterstraßen. Ich fuhr die meiste Zeit, irgendwann liess man sich kurz vom Beifahrer ablösen.» Hat man sich durch Doping wach gehalten?

Strähle: «Leute die irgendwelche Mitteln genommen haben, sind nach der vierten Nacht eingegangen, sie haben nicht mehr gewusst, wo`s weitergeht…» Hast Du irgendwelche Geheimrezepte gehabt, Traubenzucker oder sonst was?

Strähle: «Ich habe 30 rohe Eier, Kneckebrot und ganz ungesalzenen Lachsschinken als Verpflegung mitgenommen. Wir waren völlig auf uns allein angewiesen, man brauchte Visa, es gab keine Handys und kaum Telephonverbindungen, unser Servicewagen stand in Tarvis, weiter kam der nicht.» Welche Siege waren Deine Schönsten?

Strähle: «Bei Lüttich-Rom-Lüttich

habe ich dreimal die Klasse gewonnen, und dieser Gesamtsieg 1959 war ein Sieg der unter die Haut ging. Schön war mein Sieg in der Tour de Corse 1960, oder mein Sieg im 10 Stunden Rennen von Messina, zusammen mit dem Brasilianer Bino Heins auf Porsche Spyder…» Wann bist Du Dein letztes Rennen gefahren?

Strähle: «1963 habe ich beim 1000 km Rennen am Nürburgring zum fünften Mal meine Klasse gewonnen, mit dem Abarth-Carrera. Dann habe ich geheiratet und die Rennerei an den Nagel gehängt. Aber man kommt nicht so leicht los.

Ich habe dann jahrelang einen eigenen Rennstall gehabt, von der Formel V bis zu verschiedenen Porsche und wir haben auch viel gewonnen.»

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