Marktredwitzer Ziegler-Brüder zum zweiten Mal Gewinner der SECHSÄMTERLAND-Classic

(gpp) – Trotz Luisenburg-Premiere, Brunnenfest und Städtepartnerschaft mit Volterra – die ´Invasion` von knapp 90 Oldtimern, nicht nur aus der gesamten Bundesrepublik, sondern auch aus Belgien, Österreich und Tschechien ließ am vergangenen Freitag und Samstag wohl die wenigsten Wunsiedler und anderen Bewohner des Sechsämterlandes und des angrenzenden Böhmens unbeeindruckt.

Bereits am Freitagmittag brummten und tuckerten die ersten Oldies durch die Kreisstadt und als am Nachmittag die technische Überprüfung der teilnehmenden Fahrzeuge auf dem Parkplatz am ehem. COMET in der Wunsiedler Hornschuchstraße und die anschließende Startaufstellung in der Jean-Paul-Straße begann, zogen die automobilen Pretiosen jung und alt in ihren Bann. Unzählige Zuschauer ließen sich weder den Start zur ersten, freitäglichen Etappe und die abendliche Ankunft im Zwischenziel, noch den am Samstag morgen stattfindenden Re-Start und vor allem die Zielankunft entgehen – obwohl zu diesem Zeitpunkt die deutschen Fußballer bereits recht erfolgreich um den Einzug ins Viertelfinale kämpften.

Den Sieg der diesjährigen, erstmals über zwei Tage und knapp 350 km(!) führenden, dritten SECHSÄMTERLAND-Classic errangen – zum zweiten Mal nach 2004 – die Marktredwitzer Brüder Rainer jun. und Andreas Ziegler – wobei die meisten der Oldtimer-Fans, die die Strecke und vor allem die einzelnen Sonderprüfungen säumten – den kleinen, unscheinbaren und serienmäßigen VW Käfer 1300 wahrscheinlich völlig übersehen haben dürften. Aber die beiden Söhne des motorsportlich überaus erfolgreichen Marktredwitzer VW-Audi-Händlers Rainer Ziegler hatten nach fünf Orientierungsetappen, sechs Sollzeitprüfungen und einer zweimal zu befahrenden Gleichmäßigkeitsprüfung sowie neun Durchgangs- und zehn Zeitkontrollen ganze drei Strafpunkte ins Ziel gebracht und wurden dafür von Rallyeleiter Frank Reichenberger und dem Mitglied des Organisationskomitees, Günter Bossner (beide Wunsiedel) bei der abendlichen Siegerehrung in der Wunsiedler Fichtelgebirgshalle mit einem großen, schweren und überaus einzigartigen Präsent ausgezeichnet – wie die Preise überhaupt (für motorsportliche Verhältnisse) völlig aus der Art geschlagen waren: Denn nach Preisen auf der Grundlage von im Sechsämterland heimischem Granit im vergangenen Jahr, gab es heuer Preise auf der Grundlage von Holz aus dem Sechsämterland, welche von den erfolgreichen Oldie-Fahrern mit großer Bewunderung und Faszination entgegen genommen wurden.

Insgesamt 85 Oldtimer vom Baujahr 1909 (der DeTempleSport des Belgiers Dr. John Hoppen) bis zu Youngtimern aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrtausends reichte die überaus spannende Palette der teilnehmenden Fahrzeuge, die von den Oldie-Fans überall begeistert aufgenommen wurden. Das interessanteste und möglicherweise auch wertvollste Fahrzeug der gesamten Veranstaltung war jedoch ein Mercedes-Benz 300 SL-Flügeltürer, dem auf der Etappe im benachbarten Tschechien das Malheur passierte, unverschuldet in einen Unfall verwickelt zu werden. Aber wie hart im Nehmen auch die Oldtimer-Fahrer sind, stellten Dr. Horst Keil und Beifahrer Thomas Linhardt (Feldkirchen/Münchberg) unter Beweis, denn nach Erledigung der notwendigen Unfallaufnahme-Formalitäten mit der tschechischen Polizei unter tatkräftiger Mithilfe von Dolmetschern des Veranstalters und einer notwendigen, kleinen Reparatur setzten die beiden ihre Fahrt fort, konnten das nächste Etappenziel sogar „gerade noch“ ohne Zeitstrafpunkte erreichen – und gewannen am Ende sogar ihre Klasse der Historic-Fahrzeuge der Baujahre von 1941 bis 1965. Die Anforderungen, die unterschiedlichsten Streckenabschnitte genauestens – bis auf die Hundertstel-Sekunde zu absolvieren, wurde von vielen Teilnehmer bravourös erledigt. Alleine bei der Gleichmäßigkeitsprüfung zwischen Bernstein und Sinatengrün waren 30 Fahrzeuge innerhalb einer einzigen Sekunde am Ziel. Auch die erstmals in die Fahrtaufgaben aufgenommenen Orientierungsetappen wurden von den meisten Teilnehmern richtig befahren und am Ende erreichten 80 der 86 gestarteten Fahrzeuge auch tatsächlich das Ziel in Wertung. Gar nicht am Start war dagegen die angekündigte Fernseh-Richterin Barbara Salesch, die wichtige Dreharbeiten an ihren Fernseh-Richtertisch gefesselt hatten. Nicht ins Ziel kam auch der Wunsiedler Hans Fraas, dessen Ford Modell A von 1930 von Anfang an mit Zündproblemen zu kämpfen hatte und dessen Motor vorzeitig den Dienst quittierte. Höhepunkte der SECHSÄMTERLAND-Classic waren die Prüfungen in Thierstein (bei Busunternehmer Hirsche), in der Selber Fußgängerzone (wo die Teilnehmer im Rahmen ihrer so genannten „Schlauchprüfung“ von den Zuschauern vom Straßencafé aus beobachtet werden konnten und richtiges „Mille-Miglia-Flair“ aufkam und die Sonderprüfung rund um den Brunnen auf dem Weißenstädter Marktplatz – aber auch die nachmittägliche Kaffeepause im mondänen, tschechischen Badeort Marianske Lazne, die wie schon im Vorjahr von Caféhaus- und Tanzmusik aus den zwanziger Jahren musikalisch untermalt wurde. Am Samstag-Abend, kurz vor der Siegerehrung, stellten sich die prominenten Teilnehmer wie die zweifache Damen-Rallye-Weltmeisterin Isolde Holderied (Bad Bayersojen), der TOYOTA-Chef Yoichi Hasegawa und sein Presse-Beauftragter Dr. Dietrich Hartmann sowie Dr. Hilmar Brödler (Firmengruppe Scherdel Marktredwitz) und der dreifache Deutsche Rallyemeister Peter Göbel (Korb) bei einer öffentlichen Pressekonferenz einigen Fragen und äußerten sich dabei überaus lobend über die Veranstaltung – wie überhaupt alle Teilnehmer auch von der dritten Ausgabe der SECHSÄMTERLAND-Classic hellauf begeistert waren. Wunsiedels motorsportbegeisterter Bürgermeister Karl-Willi Beck, der die Teilnehmer am Samstagmorgen beim Re-Start schon begrüßt hatte, ließ es sich auch am Samstagabend nicht nehmen, bei der Siegerehrung dabei zu sein und die SECHSÄMTERLAND-Classic als „Bereicherung“ für Wunsiedel und das Sechsämterland zu bezeichnen. Mit ihm zusammen nahmen Günter Bossner und Frank Reichenberger abschließend die Siegerehrung vor, wobei sich beide nicht nur bei allen Helfern, Freunden und Gönnern für die Unterstützung, sondern auch bei allen Anliegern und Wege- bzw. Platzeigentümern für das gezeigte Verständnis und die gewährte Unterstützung bedankten. Gerd Plietsch ERGEBNISSE (Gesamtwertung): 1. (Klassensieger Klasse 6/A) Rainer jun. und Andreas Ziegler (beide Marktredwitz) VW 1300, 3.00 P.; 2. (Klassensieger Klasse 5) Dr. Horst Keil/Thomas Linhardt (Feldkirchen/Münchberg) Mercedes 300 SL Coupe, 4,27; 3. Gerd Porzelt/Christian Fellinger (beide München) Mercedes 280 SL, 6,66; 4. Klaus Gräbner/Thomas Altmann (Hof/Trogen) Mercedes 230 SL, 6,79; 5. (Klassensieger 6/B) Melanie Gumbl/Peter Göbel (beide Korb) Porsche 911; 7,34; 6. Claus und Susanne Merk (beide Nürnberg) Jaguar XK 140; 7,46; 7. Martin Schinner/Reinhold Cikalo (Marktredwitz/Waldershof) BMW 2002; 8,04; 8. Bernd Molle/Klaus Müller (beide Wunsiedel) Opel GT, 9,04; 9. Manfred und Tobias Schöffel (beide Stadtsteinach) MG B 9,17; 10. Helmut und Christa Stadlmayr (beide Nürnberg) Mercedes 250 SE, 9,25.

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