Osnabrücker Bergrennen

Die Formel 1“  – des europäischen Bergrennsports geht auf Rekordjagd

Beim 45.Osnabrücker ADAC Bergrennen  gehen die schnellsten Bergpiloten mit ihren Boliden an den Start

Von Marcel Steiner über Guy Demuth bis zu Laszlo Szasz sind alle dabei!

Seit 1968 werden Jahr für Jahr auf der 2,030 km langen Sprintstrecke am „Uphöfener Berg“ die besten Bergpiloten gekürt, doch wenn sich am 4. und 5. August die Starterflagge zum 45. Int. Osnabrücker ADAC Bergrennen in Hilter-Borgloh im Osnabrücker Land senkt, wird tatsächlich die „Creme de la Creme“ des europäischen Bergrennsports dabei sein.

Und die Besucher sind mittendrin, denn – egal ob an der superschnellen Startgeraden,  in den engen Kurvenbereichen, im Vorstartbereich oder bei den  letzten Startvorbereitungen im Fahrerlager – überall ist man als Gast des Bergrennens  „hautnah“ dabei und erlebt atemberaubend interessante und spannende Momente beim einsamen Kampf der internationalen Top- Piloten mit ihren phantastischen Rennboliden  um tausendstel Sekunden gegen die Uhr mit unzähligen PS.

Es gilt die absolute Rekordmarke von 55,274 sec./Lauf aus dem Jahr 2009 zu unterbieten, um sich als neuer Streckenrekordhalter in die Geschichte des Osnabrücker ADAC Bergrennens zu verewigen. Dafür kommen nach den vorliegenden Meldungen eine Reihe außergewöhnlicher Rennfahrer in Betracht, die bereits, jeder für sich, eine ganze Reihe von großen Erfolgen im Automobilsport, besonders natürlich an Europas Bergen, aufzuweisen haben.

Der 37-jährige amtierende Schweizer Bergmeister Marcel Steiner hat mit dem „Uphöfener Berg“ noch eine „Rechnung offen“. Trotz großer Ambitionen konnte er hier bei seinen Starts noch keinen Gesamtsieg einfahren, doch mit seiner „Wunderwaffe“ Osella FA 30, mit der er in der Saison insgesamt 11 Gesamtsiege bei internationalen Bergrennen erreichte und dabei gleich 6 neue Streckenrekorde aufstellte, hat er auch beim nördlichsten Bergrennen Deutschlands den großen Coup im Visier. Genauso motiviert und mit der Strecke bestens vertraut ist der amtierende nationale Champion des Großherzogtums Luxemburg, Guy Demuth. Er möchte nach seinen Gesamtsiegen in 2010 und der Regenschlacht  in 2011 einen echten „Hattrick“ landen, zumal er im vergangenen Jahr im noch trockenen Training mit 54,899 sec./Lauf die inoffiziell jemals schnellste Zeit auf den Asphalt knallte. Auch er pilotiert einen Osella FA 30. Dieses Fahrzeug wird von einem  Achtzylinder-Zytek Motor, der rund 500 PS leistet, angetrieben und stellt eine Verbindung aus Sportwagen- und Formelfahrzeug dar.

Von der Formel 1 nur von den absoluten Fachleuten zu unterscheiden sind die ebenfalls fast 500 PS starken Rennboliden der Formel 3000, die ebenfalls zu den schnellsten Vertretern im Rahmen der vom Weltmotorsportverband FIA ausgetragenen International Hillclimb Challenge und European Hillclimb Cup gehören und ihren 10. Wertungslauf austragen.

Der Schweizer Nachwuchsstar Joel Volluz und amtierende Vize-Bergmeister der Eidgenossen startet  mit seinem Reynard Cosworth Formel 3000. Der erst 20 jährige Walliser zählt zu den größten Talenten im europäischen Bergrennsport und konzentriert sich auch in 2012 zunächst auf die nationale Meisterschaft, möchte bei seinem „Ausflug“ nach Norddeutschland aber auf jeden Fall auf Rekordjagd gehen. Einen riesigen internationalen Erfolg konnte Vaclav Janik bereits feiern; im Jahr 2009 wurde er mit einem Mitsubishi Lancer Evo VIII Europa-Bergmeister der Tourenwagen. In diesem Jahr startet er für das Nationalteam der Tschechischen Republik in der International FIA Hillclimb Challenge und hat nach dem derzeitigen 3. Gesamtrang in der Zwischenwertung beste Aussichten auf einen absoluten Spitzenplatz. Mit dem Lola B02/50 Formel 3000 konnte er bereits mehrere Gesamtsiege in der laufenden Saison erringen, so beim slowenischen Rennen zum europäischen Championat in Gorjanci. Zu den weiteren Top-Favoriten ist auch der Schweizer Eric Berguerand zu zählen. Er hat seinem Formel 3000-Fahrzeug vom Typ Lola B99/50 zu Saisonbeginn eine „Frischzellenkur“ verpasst, um diesem mit einer deutlichen Verbreiterung der Front-und Heckflügel eine Optimierung der Aerodynamik zu erreichen, man darf gespannt sein, ob es gewirkt hat. Einen „alten Hasen“ der Bergszene muss man bei der Aufzählung der Favoriten des 45. Int. Osnabrücker ADAC Bergrennens immer mit auf der Rechnung haben: Der Ungar Laszlo Szasz hat in seiner langen Karriere unzählige Siege an Europas Bergen einfahren können und war bereits einmal im Jahr 2001 dabei, bevor er 2002 das europäische Championat für sich entschied. In diesem Jahr startet er vornehmlich in Osteuropa und konnte dabei ein Rennen zur kroatischen Bergmeisterschaft in seinem Reynard Zytec  Formel 3000 mit Streckenrekord gewinnen.

 

Eher Außenseiterchancen muss man dem sympathischen Luxemburger Tommy Rollinger mit seinem grasgrünen Lola B02/50-Zytec Formel 3000 einräumen, der erst vor knapp zwei Jahren in den Motorsport einstieg und dabei sofort in dem Cockpit eines ultraschnellen Formel 3000 Rennwagens Platz nahm. Von Rennen zu Rennen kommt er jedoch besser mit den  500 PS bei nur rund 540 kg Fahrzeuggewicht zurecht und liegt bisher aussichtsreich in der Luxemburger Bergmeisterschaft, die ebenfalls am „Uphöfener Berg“ einen Wertungslauf austrägt, in Position.

In dieser Saison neu im Feld der europäischen Formel 3000-Bergpiloten ist auch der Schweizer Simon Hugentobler zu finden. Er fährt einen  Reynard 92 D und möchte damit auf einer recht kurzen, aber sehr anspruchsvollen Bergrennstrecke weitere Erfahrungen sammeln und sich aber auch unter den Top 10 im Gesamtklassement wiederfinden. Ebenso attraktiv wie spektakulär sind die zweisitzigen offenen Sportwagen der Gruppe C; viele kenn sie von den großen Sportwagenrennen wie z.B. beim 24 Stunden-Klassiker in Le Mans. So startet der Freiburger Patrick Zajelsnik mit einem Norma M 20 Mugen V8 mit Honda Motor und kommt mit der Empfehlung eines überlegenen Gesamtsieges beim diesjährigen traditionellen Ibergrennen. Sein Bruder Alexander präsentiert einen nicht minder attraktiven Norma M 20 BMW. Der Schweizer Urs Müller pilotiert einen wunderschönen Osella PA 30 aus der gleichnamigen weltbekannten italienischen Sportwagenschmiede.

„Die Rennsportfahrzeuge sind sicher beim Angriff auf den Streckenrekord das Salz in der Suppe, aber auch bei den Tourenwagen gibt es eine Leistungsdichte, die rasante Rennen erwarten lässt, wie sie es lange nicht mehr gab“ blickt Organisationsleiter Bernd Stegmann vom veranstaltenden MSC Osnabrück e.V. im ADAC gespannt auf ein äußerst spannendes Automobilsportwochenende.

Der amtierende European Hillclimb Champion, Dan Michl (Tschechische Republik), der auch in diesem Jahr als Favorit gilt, kommt erstmals mit seinem spektakulären Opel Michl 2,8 in das Osnabrücker Land und möchte dabei die nationale und internationale Konkurrenz hinter sich lassen. Den Tourenwagen-Rekord am „Uphöfener Berg“ hält nach wie vor der 8-fache Deutsche Automobil-Bergmeister Norbert Brenner aus dem unterfränkischen Eichenbühl. In dieser Saison startet er erstmals mit einem neu aufgebauten Ex-DTM Opel Vectra, wobei er nach zwei Siegen und  zwei Streichresultaten auf seiner Lieblingsstrecke in Osnabrück wieder voll angreifen wird, um die Chancen auf den 9. Titel in Deutschland zu erhalten. Der Österreicher Herbert Stolz startet in 2012 wieder mit einer deutschen Lizenz und liegt mit seinem fast 700 PS starken Porsche 935 DP 2 Turbo derzeit an aussichtsreicher Position. Ganz langsam hat sich ein weiterer Pilot mit einem Ex-DTM-Fahrzeug in das Spitzentrio um die diesjährige Tourenwagen-Bergmeisterschaft eingeschlichen. Nach seinem Sieg beim Homburger Bergrennen gilt Klaus Hoffmann mit dem Ex-DTM Opel Astra, der im vergangenen Jahr zu den absoluten Lieblingsfahrzeugen der Besucher beim Osnabrücker Bergrennen zählte, als neuer Geheimfavorit. Und dann gehören auf jeden Fall wiederum zwei Schweizer zu den Sieganwärtern bei den Tourenwagen. Zu den schillerndsten Figuren in der Bergszene gehört der Schweizer Bruno Ianniello, der mit seinem infernalisch vorantreibenden Lancia S 4 die Besucher zu Beifallsstürmen hinreißt. Das über 700 PS starke Fahrzeug wurde ehemals für die Rallye-Weltmeisterschaft konzipiert und „Raketen-Bruno“ treibt es vornehmlich in der Schweiz und Italien von Sieg zu Sieg. Mit einem vergleichbaren Fahrzeug ist auch der Schwarzwälder Jürgen Gerspacher dabei, der ebenfalls für das Ianniello-Team startet. Der Schweizer Tourenwagen-Bergmeister 2010, Toni Bühler, wird am „Uphöfener Berg“ sein damaliges Meisterschaftsfahrzeug, einen Mitsubishi Lancer Evo einsetzen und damit in dieser Saison erstmals wieder in einen Tourenwagen steigen, nachdem er zu Beginn der Saison in einen Formelrennwagen umgestiegen war. Fast ein Heimspiel ist für den Ostwestfalen Daniel Schrey das Rennen am 4. und 5. August. Er startet mit seiner Dodge Viper GTSR, von der weltweit lediglich 53 Fahrzeuge eigens für die FIA GT Weltmeisterschaft gebaut wurden. Mit rund 900 PS ist die Viper nicht nur das leistungsstärkste Fahrzeug der diesjährigen Veranstaltung, sondern der 5 fache Gesamtsieger des Oldtimer-Grandprix auf dem Nürburgring wird den „Uphöfener Berg“ mit dem atemberaubenden Sound des amerikanischen Sportwagens wieder zum Beben bringen.

 

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