Tatra

Der Automobilhersteller Tatra zählt zu den vier ältesten Fahrzeugherstellern weltweit. Er wurde im Jahr 1923 durch die Zusammenlegung der „Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft“ und der „Waggonfabrik Ringhoffer AG“ gegründet. Firmensitz ist seit jeher die mährische Stadt Kopřivnice. Derzeit beschäftigt die Tatra a.s., so die vollständige Unternehmensbezeichnung, über 3500  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Tatra Werke produzierten im Laufe der Jahrzehnte nicht nur Pkws und Lkws, sondern auch Rennautos, Straßenbahnen, Geländewagen, Omnibusse und Oberleitungsbusse, Geländewagen, Kleintransporter und sogar Kleinflugzeuge.

Firmengeschichte

Bereits Anfang der 1920er Jahre entwarf Hans Ledwinka – seines Zeichens Chefkonstrukteur des Unternehmens – den Prototyp 11, der vom Volksmund die Bezeichnung Bügeleisen bekam. 1931 entwarf er den Prototyp V-570, der zwar nie in Serie ging, aber als ideeller Vorläufer des VW Käfer angesehen werden kann, denn Ledwinka pflegte eine jahrzehntelange Freundschaft mit Ferdinand Porsche.

1934 wurde der Typ 77 entwickelt, welcher über einen luftgekühlten V-Achtzylinder und eine OHC-Ventilsteuerung verfügte. Der auf diesem Prototyp basierende Typ 87 brachte es vor dem Zweiten Weltkrieg auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Nach dem Zweiten Weltkrieg forcierte die tschechische Staatsführung den Bau von Tatra Lkws. Alle Lastkraftwagen dieses Unternehmens verfügen über luftgekühlte V-Motoren, Stirnrad-Differentialgetriebe, Allradantrieb, Pendelachsen sowie über einen zentralen Rohrrahmen.

Besondere Berühmtheit erlangte der Typ 111, der ab 1943 gebaut wurde. Eine Weiterentwicklung ist die Zugmaschine Typ 141, deren Produktion von 1958 bis 1970 stattfand. Die tschechischen Streitkräfte nutzen den Typ 805, welcher im Jahr 1953 Produktionsreife erlangte. Später musste sich das Unternehmen auf 7 bis 10 Tonner spezialisieren, seit 1961 fertigte es nur noch 10 Tonner. Der erste Haubenlaster wurde 1961 produziert, der Typ 148 ersetzte den Typ 138. Seit 2001 produziert Tatra den Typ 163 JAMAL.
Im Jahr 1967 kam der Frontlenker Typ 813 auf den Markt, der bis heute zu den geländegängigsten Lkws gehört. Ihn zeichnet die Einzelradaufhängung, kombiniert mit äußerst langen Federwegen, aus. Er kann sogar festgefahrene Panzer mit einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen bergen. Allerdings spiegelt sich das auch in einem extrem hohen Spritverbrauch von 65 bis 250 Litern, im Bergeeinsatz sogar bis zu 500 Litern/100 km, wider.

Wer sich für die Geschichte des Unternehmens interessiert, zugleich aber auch die einzelnen Prototypen bestaunen möchte, sollte das Tatra-Museum in Kopřivnice besuchen.